REGIEKOMMENTAR

Weihnachten. Ein Fest, das wir mit besinnlichem und harmonischem Beisammensein verbinden, das uns melancholisch an unsere Kindertage denken lässt, an das in Kerzenlicht erstrahlende Weihnachtszimmer, an den Duft von Tanne und süßem Gebäck, an feierliche Musik und reichliche Geschenke.

Das ist es allerdings nicht nur. Vielmehr gehören Stress bei der Organisation und Durchführung dieses alljährlichen Megaevents, Angst vor schwierigen Auseinandersetzungen und langen Stunden mit der Familie, sowie die Furcht, von unbeholfenen Gesten und uninspirierten Geschenken enttäuscht zu werden oder selbst daran zu scheitern, für die meisten von uns längst genauso zum Fest dazu wie ein Tannenbaum und Dresdner Stollen.
Kaum etwas spaltet uns so wie Weihnachten.

Dieser emotionale Zwiespalt zwischen freudiger Erwartung und vorprogrammierter Enttäuschung, zwischen kindlicher Vorfreude und böser Vorahnung, zwischen der nostalgischen Reinszenierung alter Rituale und der bitteren Bestandsaufnahme der familiären Beziehungen ist der Ausgangspunkt für meine Geschichte UND WIEDER.

Ins Zentrum habe ich die beiden Schwestern Kathi und Suse gestellt, die seit dem Tod ihrer Mutter das Weihnachtsfest ausrichten. Obwohl die Familienbande schon lange nicht mehr die Besten sind, halten sie an der gemeinsamen Feier fest – genauso wie an ihren hohen Erwartungen, mit deren Enttäuschung sie eigentlich schon vorher längst rechnen.

Leicht ist diese Aufgabe also nicht. Besonders die Ältere der beiden Schwestern, Suse, hat mit der ererbten Mutterrolle zu kämpfen. Sie fühlt sich dafür verantwortlich, die Familie unter dem Weihnachtsbaum zu vereinen, und sieht sich verpflichtet, hierfür auch manches Opfer zu bringen. Ihr aussichtsloser Versuch, sämtliche Rituale exakt nach altem Vorbild und in aller Perfektion zur Wiederaufführung zu bringen, ist komisch und tragisch zugleich. Tragikomisch ist auch das Gefühlschaos der jüngeren Schwester Kathi, aus deren Perspektive ich die Geschichte erzähle. Einerseits macht sie das ganze Theater mit, andererseits sucht sie nach Auswegen und Alternativen. Sie ist hin- und hergerissen zwischen Freude und Ärger, Lachen und Mitgefühl, Rührung und Enttäuschung. Und sie weiß nicht recht, ob sie lieber bleiben oder Reißausnehmen soll.

UND WIEDER ist nicht nur ein Weihnachtsfilm. Es ist die Geschichte von zwei Frauen, die in letzter Konsequenz entscheiden müssen, ob sie mit der Tradition brechen, oder ob es auch in Zukunft wieder UND WIEDER so weiter geht.